Der TV Muri tut sich gut daran, gegen Handball Wohlen Rangliste und Statistiken auszublenden. Denn die Vorzeichen sprechen für einen offenen Ausgang des zweiten Saisonderbys. Bei Muri geht es um viel. Wohlen hingegen kann befreit aufspielen.

(ws) Handball Wohlen gegen den TV Muri. Noch vor wenigen Wochen wäre die Ausgangslage vor dem zweiten Saisonderby klar gewesen. Muri ist Favorit, Wohlen tritt als Aussenseiter an. Inzwischen haben sich die Vorzeichen geändert. Während Wohlen nach einer haarsträubenden Hinrunde endlich in der Liga angekommen scheint, entwickelt sich Muri zusehends zu einem Wackelkandidaten. Zumindest leistungsmässig heisst die Devise Flop oder Top. Seit Mitte Oktober konnte kein starkes Spiel postwendend bestätigt werden. Dazu sagt Muri-Trainer Claude Bruggmann: „Dieses Phänomen ist schwierig zu erklären. Es spielen immer verschiedene Faktoren zusammen. Wie die eigene Leistung oder ob der Gegner einem liege. Was ebenfalls erschwerend dazu kommt, ist, dass in dieser Gruppe jeder jeden schlagen kann. Das war letzte Saison noch anders.“

Bereits zwei Punkte Vorsprung auf den Strich

Sinnbildlich für das auf und ab war der Auftritt gegen Pilatus. Hätte man auf einem ähnlichen Niveau gespielt wie eine Woche zuvor gegen Einsiedeln, wäre man am Sonntag wohl als Sieger vom Parkett gegangen. Dem war aber bei weitem nicht so. Diesmal sündigte man in der Offensive. Die Mannschaft zeigte aber gegen die Luzerner Charakter. Sie liess sich von einer anhaltenden Abschlussmisere in den letzten 15 Minuten nicht aus dem Tritt bringen. Mit dem nötigen Glück und einem bärenstarken Tobias Wipf im Tor rettete man einen schon verloren geglaubten Punkt. Wichtig war dieser Zähler, weil nach dem Sieg von Mutschellen gegen Horgen-Wädenswil die Differenz auf den Strich von einem auf zwei Punkte erhöht wurde. Auf die Frage, ob die Abschlussmisere eine Frage der Nerven sei, sagt Bruggmann: „Ich glaube nicht. Ich denke das war ein Ausrutscher. Carlo Femiano zum Beispiel hat sonst immer eine gut Wurfquote.“

„Die Ausgangslage macht Wohlen gefährlich“

Der nördliche Rivale hingegen kommt gestärkt aus den vergangenen beiden Partien gegen Mutschellen und Einsiedeln. Ersterer wurde deutlich besiegt. In Einsiedeln verlor man zwar, spielte aber bis fünf Minuten vor Schluss auf Augenhöhe. Laut Spielmacher Andreas Stierli stellten die Gastgeber in den Schlussminuten auf Manndeckung um. Man sei dadurch aus dem Konzept gekommen und habe zahlreiche unnötige Fehler gemacht. Auch die Kraft habe nachgelassen, meinte er. Nichtsdestotrotz sei die Stimmung in der Mannschaft gut. Dies und die Tatsache, dass Wohlen nichts zu verlieren hat, ist eine explosive Mischung. Genau davor warnt Bruggmann: „Diese Ausgangslage macht Wohlen gefährlich. Die Mannschaft ist im Aufwind und möchte uns natürlich nur allzu gerne ein Bein stellen.“ Die Frage sei nun, ob seine Mannschaft dagegenhalten könne, ergänzt er. Sicher sei nur, dass es in der überfüllten, engen Junkholzhalle einen harten Fight geben werde.

Erfahrung gegen Tempo

Was beim ewigen Rivalen auch beobachtet werden kann, ist, dass die Ü-30-Connection immer besser in die Gänge kommt. Namentlich Manuel Frey, Christoph Schraner, Andreas Stierli und natürlich Topskorer Adrian Studerus. Der geballten Ladung Erfahrung steht der Tempohandball der Murianer gegenüber. Es stellt sich nun die Frage, wer es schafft über 60 Minuten dem Gegner seine Stärke aufzuzwingen.

Vorschau
 
So, 25.11.2018 | 16:30 Uhr
Handball Wohlen - TV MURI
Wohlen Junkholz Halle
1. Liga

Nachgefragt bei Andreas Stierli, Spielmacher Handball Wohlen.

Willi Steffen: Was war in der Vorrunde mit Wohlen los?
Andreas Stierli: Wir konnten seit Anfang Saison nie komplett antreten. Meist waren es Abwesenheiten wegen Verletzungen oder aus beruflichen Gründen. Ich zum Beispiel habe am Samstag jeweils Schule oder Christoph Schraner musste teilweise arbeiten. Alles wurde dadurch erschwert.

Wohlen ist in den vergangenen Wochen wieder besser in die Gänge gekommen. Was ist passiert?
Vor wenigen Wochen haben wir als Mannschaft die Sache analysiert und jeder konnte seine Meinung kundtun. Aufgrund dessen haben wir die Konsequenzen gezogen und haben zum Beispiel das Training umgestellt. Weiter wurden alle Spieler am Ehrgeiz gepackt.

Was hat das gebracht?
Eine positive Entwicklung. Die Stimmung im Team ist gut. Man merkt es am Training. Dadurch dass jeder mehr macht und einen grösseren Willen an den Tag legt, ist es intensiver geworden.

Wie gewichten sie die Ausgangslage, dass Wohlen am Sonntag sorglos aufspielen kann und Muri enorm unter Druck ist?
Dass wir nun befreit aufspielen können, ist für uns ein Vorteil. Was auch für uns spricht, ist, dass wir Heimvorteil haben und auf Revanche sinnen.

Wen sehen sie in der Favoritenrolle?
Zögert. Anhand der Tabelle und des Saisonverlaufes ist Muri Favorit.

Gesetzten Falles könnte Wohlen ja Muri in die Abstiegsrunde hineinziehen. Würden sie ein solches Szenario positiv sehen?
Weder noch. Wir wollen niemandem Punkte schenken. Jeder ist selber für sich verantwortlich. Wenn Muri in die Finalrunde kommt, freue ich mich für sie. Wenn nicht, gibt es nochmals zwei Derbys. Ich glaube aber Muri zieht sein Ding durch und erreicht die Finalrunde.

Was wünschen sie sich für das Derby am Sonntag?
Ich wünsche mir, dass wir an den Leistungen der vergangenen beiden Spielen anknüpfen können. Weiter wünsche ich mir eine enge und harte Partie mit hoffentlich einem Sieg für uns.