45 Minuten war der Ausgang des zweiten Lokalderbys offen. Danach zog Muri davon. Bei den Gastgebern sorgte eine rote Karte für Unruhe. Muri hingegen vermochte nur teilweise zu überzeugen. Den Grundstein für den fünften Saisonsieg legte eine starke Abwehr und der elffache Torschütze Carlo Femiano.

(ws) Als hätte man ihnen den Stecker gezogen. Anders lässt sich das Nachlassen von Handball Wohlen gegen keineswegs überragende Murianer nach 45 Minuten nicht erklären. Wohlen hatte soeben den 17:17-Ausgleich erzielt. Es kündigte sich eine heisse Schlussphase an. Muris Antwort folgte eine Minute später mit dem Führungstor von Carlo Femiano. Danach hatten die Gäste leichtes Spiel. Das Heimteam haderte nun vermehrt mit sich selber und den Schiedsrichtern. Mehrere Strafen wegen Reklamierens folgten. Muri nahm die Offerte an und zog innert wenigen Minuten mit sieben Treffern davon. „Der Gegner hat sich mit diesen Strafen selber aus dem Spiel genommen“, stellte Muri-Trainer Claude Bruggmann fest. „Bei meinen Spielern kamen Emotionen hoch. Sie haderten mit den Schiedsrichtern und kassierten unnötige Strafen wegen Reklamierens. Dann reicht es halt gegen Muri nicht“, sah es Wohlen-Trainer Daniel Lehmann auf der anderen Seite. Anteil an der entscheidenden Wende hatte auch Bruggmann selber. Mit den Einwechslungen von Yorick Kaufmann und Tin Tokic hauchte er nach 45 Minuten neues Leben in den Angriff. Muri habe es am Schluss souverän gemacht. Er glaube aber nicht, dass sie um sieben Tore besser gewesen seien, meinte Lehmann.

Der Gegner hat sich mit diesen Strafen selber aus dem Spiel genommen

Claude Bruggmann | Trainer TV Muri Handball

Muri verspielt 4-Tore-Vorsprung

Zuvor war das Gebotene auf dem Parkett keine leichte Kost. Im Gegenteil. Die beiden Rivalen übertrafen sich im Auslassen von Chancen. Muri kam zwar gut in die Partie. Kontrollierte das Geschehen bis zur 23. Minute. Mit einem Vier-Tore-Vorsprung im Rücken schlichen sich in der Folge Fehler im Minutentakt ein. Wohlen nutzte die Gunst und glich praktisch mit dem Pausenpfiff zum 10:10 aus. Vorausgegangen war ein technischer Fehler von Tobias Kaufmann. Zuvor erhitzte eine andere Szene die Gemüter der Einheimischen. Die Spielleiter ahndeten eine grenzwertige Abwehraktion von Wohlens Topskorer Adrian Studerus gegen Linus Staubli mit Rot. Ein hartes Verdikt für eine unglückliche Aktion. Für den weiteren Verlauf der Partie war diese Szene entscheidend. So sah es auch Muris Trainer Claude Bruggmann: „Danach konnten wir uns in der Abwehr auf Andreas Stierli konzentrieren. Was uns auch gut gelungen ist.“ Daniel Lehmann sieht es ähnlich: „Nach dieser roten Karte wurde es schwierig. Studerus ist ein wichtiger Spieler für uns."

Schwache Wurfquote

Nach der Partie hielt sich die Freude der Murianer in Grenzen. Zwar hatte man zwei überlebenswichtige Punkte geholt. Die Art und Weise gibt aber zu denken. Denn die Wurfquote war wie schon gegen Pilatus vor Wochenfrist beängstigend tief. Nichts auszusetzen gibt es an der Defensivarbeit. Diese bildete den Grundstein für den fünften Saisonsieg. Die starken Einzelspieler wie Adrian Studerus, Andreas Stierli und Manuel Frey konnten sich nicht wie gewohnt entfalten. Im Tor überzeugte Tobias Wipf mit einer starken Quote von 44 Prozent. Positiv wussten auch die Kaufmann-Gebrüder zu gefallen. Tobias, der ältere der beiden brachte wie schon gegen Pilatus Schwung und Tempo in den Rückraum. Seine Treffsicherheit steigt von Spiel zu Spiel. Für die restlichen drei Partien könnte diese Entwicklung entscheidend sein. Neben Kaufmann war auch auf Carlo Femiano und Jerome Zucker verlass. Zucker erzielte vier Tore, Femiano deren elf.

Harzige Angelegenheit

Auf Wohler Seite beschwerte man sich nach dem Schlusspfiff lautstark über die Schiedsrichter. Mit einigen fragwürdigen Entscheiden sollen diese Einfluss auf die Partie genommen haben. Während die Gastgeber sich davon aus dem Tritt bringen liessen, behielt Muri kühlen Kopf. Wie schon beim Vorrundenspiel in Muri war das Derby eine harzige Angelegenheit. Dementsprechend wollte in der altehrwürdigen Junkholzhalle lange keine Stimmung aufkommen. Während Wohlen verständlicherweise nach vielen Niederlagen nicht vor Selbstvertrauen strotzt, mangelt es bei Muri an Konstanz über 60 Spielminuten. „Spielerisch war das nicht das Allerfeinste. Ein Derby lebt aber vom Kampf. Und so ist es auch gewesen“, zieht Daniel Lehmann Fazit. Claude Bruggmann hielt fest, dass dieser Sieg wichtig für die Moral sei. Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass es noch viel zu verbessern gebe.

Telegramm:
Junkholz Wohlen, 200 Zuschauer. - SR: Meiko Hitz und Guido Lämmler. - Strafen: 2 mal 2 Minuten gegen Muri, 8 mal 2 Minuten und 1 x Spielausschluss ohne Bericht (Studerus, 29.) gegen Wohlen.
Muri: Wipf; Femiano (11), Jan Heusi, Y. Kaufmann (1), Tokic (2), Staubli, Dani Lang (1), Dominik Lang, Zucker (4), T. Kaufmann (4). Schwenkfelder (1), Frei (1).
Wohlen: Rudy, Koch; Frey (3), Eser, Büchler (2), Häusermann, Meyer, Konecnik (3) Studerus (6), Sladoje (1), Stierli (1), Schraner (1), Horn (1).
Bemerkungen: Siebenmeter: 1/2 für Muri, 1/1 für Wohlen.