Handball, 1. Liga: Der TV Muri qualifiziert sich zum dritten Mal in Serie für die Aufstiegsrunde

(WS) Wo stünde der TV Muri ohne Carlo Femiano? Eine Frage, die kaum zu beantworten ist. Denn man muss das Geschichtsbuch weit zurückblättern, bis man ein 1.-Liga-Spiel findet, wo der Murianer nicht angetreten ist. Dementsprechend hypothetisch ist diese Frage. Den Ansatz einer Antwort bekam man in Olten vor rund zwei Wochen präsentiert. Dort erzielte Femiano «nur» vier Tore. Und prompt kassierte Muri eine historische Pleite. Insgesamt schoss Femiano in der laufenden Saison 144 Meisterschaftstore, was eine Quote von 10.3 Treffer pro Spiel ergibt. Der mit Abstand beste Wert in der gesamten 1. Liga. Im folgenden Interview beantwortet der 24-Jährige Schreinerlehrling in zweiter Ausbildung Fragen zu sich selber und zur vergangenen Vorrunde. Gleichzeitig gibt er einen Ausblick in die anstehende Aufstiegsrunde.

Willi Steffen: Wann absolvierten sie zum letzten Mal ein Spiel, wo sie keine Tore geschossen haben?
Carlo Femiano: Das ist schon lange her. Ehrlich gesagt, kann ich mich nicht daran erinnern. Wahrscheinlich war das in meinen Anfangszeiten.

Erinnern sie sich daran, wann sie zum letzten Mal an einem 1.-Liga-Spiel gefehlt haben?
Überlegt. Auch das ist schon lange her. Es müsste aber vor rund fünf Jahren unter Zoltan Cordas gewesen sein. Ich hatte bis anhin meist das Glück, dass ich verletzungsfrei geblieben bin.

Sie schiessen in dieser Saison noch mehr Tore als in der vergangenen Spielzeit. Warum denken sie, ist das so?
Unser Spiel und die Spielzüge sind auf mich ausgerichtet. Das kommt mir entgegen. Die Ausbeute sehe ich kritischer. Denn die Wurfquote könnte besser sein. Für mich steht aber im Fokus, dass wir gewinnen. Wie viele Tore ich erziele, ist zweitrangig. Mir geht es nur um die Mannschaft und den Sieg.

Sind sie sich der Verantwortung bewusst, dass die Mannschaft ihre Tore braucht? In Olten zum Beispiel, als sie wenig getroffen haben, hat man gesehen, was dabei heraus gekommen ist.
Wenn ich nicht treffe, sind wir berechenbarer. Das ist so.

Wie gehen sie mit dieser Verantwortung um?
Das ist kein Problem. Es ist, wie es ist. Ich gebe immer mein bestes. Wenn es dann funktioniert, ist es gut. Wenn nicht, springt hoffentlich ein anderer in die Bresche.

Zur aktuellen Spielzeit. Sind sie mit den Resultaten und den Leistungen der Vorrunde zufrieden?
Ranglistenmässig sind wir da, wo wir wollten. Wirklich überzeugt haben wir aber noch nicht. Wir sind leistungsmässig nicht da, wo wir sein könnten, ja müssten.

Warum?
Es ist schwierig zu erklären. Wir haben in der Vorbereitung körperlich extrem viel gemacht. Spielerisch eher weniger. Das sollte aber kein Problem sein. Irgendwie hat es dennoch nicht so hingehauen. Wir verloren knappe Spiele, die wir letztes Jahr noch drehen konnten. Das wichtigste war aber, wenn es darauf ankam, waren wir bereit.

Von aussen her gesehen, hat man das Gefühl, dass die Mannschaft erstmals seit einigen Jahren stagniert. Teilen sie diese Einschätzung?
Ich sehe es ähnlich. Es kann aber nicht immer aufwärts gehen. Wenn wir weniger Verletzte gehabt hätten und der Kader breiter gewesen wäre, wäre es vielleicht weiter nach oben gegangen. Das soll aber keine Ausrede sein. Es müsste auch möglich sein, unter diesen Umständen weiterzukommen.

Was muss passieren, dass dies in Zukunft möglich ist. Sprich, dass man in der Finalrunde vorne mitspielen könnte?
Dass wir momentan einen schmalen Kader haben, ist körperlich eine enorme Belastung. Wir konnten das teilweise schlecht wegstecken. Voraussetzung für einen weiteren Schritt nach vorne wäre, dieses Manko zu beheben. Wird es im Frühling nicht besser, befürchte ich wieder einen Einbruch wie letzte Finalrunde.

«Mir geht es nur um die Mannschaft und den Sieg»

Carlo Femiano | TV Muri Handball

Komischerweise war man bei den Derbys immer bereit. Wieso war das möglich?
Wir haben einen ausgeprägten Teamgeist und eine Mannschaft die extrem zusammenhält. Das kommt bei den Derbys mehr zur Geltung. Grundsätzlich wollen wir aber immer alles geben.

Böse Zungen behaupten, dass die Abstiegsrunde für Muri besser wäre. Wegen der Spannung und der Weiterentwicklung. Was sagen sie dazu?
Das kann man so sehen. Denn die Finalrunde mit den vier Westschweizer Mannschaften ist für die Zuschauer weniger attraktiv. Ob der Druck der Abstiegsrunde positiv wäre, ist schwierig zu beurteilen. Was für die Finalrunde spricht, ist, dass wir unbeschwert aufspielen können. Aus meiner Sicht muss man einen breiteren Kader anpeilen und dann versuchen vorne mitzuspielen. Schliesslich ist es aber in der Verantwortung der Trainer, die richtigen Massnahmen zu treffen. Nächste Woche sitzen wir zusammen und definieren unsere Ziele.

Einen Einbruch wie gegen Ende letzter Saison sollte man wenn möglich vermeiden. Von aussen her litt auch die Stimmung darunter. Man müsste alles unternehmen, um einer solche Entwicklung Gegensteuer zu geben und versuchen vorne mitzuspielen. Ist das realistisch?
Es ist schwierig abzuschätzen, wie stark die Westschweizer Teams sind. Nyon kennen wir vom Cup-Sieg her. Sie schätze ich nicht so stark ein. Entscheidend ist, wie man die langen Reisen verkraftet und ob man ohne grosse Verletzung über die Runden kommt. Unsere Hoffnungen ruhen auch auf Jonas Heusi und David Wick, die wieder dabei sein sollten. Ihnen kommt nun der Vorteil der Finalrunde zugute, wo sie sich schrittweise und ohne Druck wieder herantasten können, um dann hoffentlich nächste Saison wieder in Topform zu sein.

Um abschliessend nochmals zu den langen Reisezeiten zu kommen. Wie geht man damit um?
Das können wir nicht ändern. Sicher ist, dass niemand gerne so lange anreist, um danach zu verlieren.