Personalsorgen aber vor allem eine taktische Massnahme kosteten Muri zwei Punkte. Quasi in letzter Minute wurden die Klosterdörfler überrannt. Bei den kämpferischen und unerschrockenen Luzernern hatte Muri einige gute Momente und überzeugte zumindest einstellungsmässig.

(ws) 150 Sekunden vor Spielende erzielt Jan Heusi in Dagmersellen den 30:30-Gleichstand. Dann brechen in der stimmungsvollen Chrüzmatt-Halle alle Dämme -leider zu Ungunsten der Gäste. Fehler Muri, Tor Dagmersellen. Dreimal widerholt sich dieses Szenario. Der Traum vom zweiten Meisterschaftssieg löst sich für Muri in Luft auf. Innert 70 Sekunden ziehen die Gastgeber auf 33:30 davon. Was folgt sind Jubelbilder des Aufsteigers, der dadurch den ersten Meisterschaftssieg einfuhr. Auf der anderen Seite sitzen geknickte Murianer minutenlag auf der Spielerbank. Vor der Kabinentüre versuchen Trainer Claude Bruggmann Assistenztrainer Paul Stöckli das soeben erlebte, einzuordnen. Ein Grund, welcher zu dieser Niederlage geführt hat, ist taktischer Natur.

Taktische Massnahme entscheidet Spiel

So agierte Dagmersellen ab der 53. Minute ohne Torhüter, was in der Offensive eine 7:6 Überzahl zur Folge hatte. „Diese Situation hat uns das Genick gebrochen. Bei Gleichzahl hatten wir alles im Griff. Ich bin überzeugt, dass wir so gewonnen hätten. Der siebte Mann ergab für den Gegner, vor allem bei den Flügelpositionen, Überzahlsituationen. Das ist für mich die Erklärung für die Niederlage“, so Claude Bruggmann. Dramatisieren will er die zweite Pleite im dritten Spiel aber nicht. „Es tönt zwar komisch: Wir haben mit drei Toren verloren aber ich bin zufrieden mit der Leistung. Die Niederlage ist für mich erklärbar. Uns fehlt einfach die Breite im Kader. Wenn wir zwei wichtige Spieler nicht dabei haben, macht sich das bemerkbar“, begründet er. Damit meinte Bruggmann die Abwesenheiten von Yorick Kaufmann und Tobias Wipf. Kommt dazu, dass sich Josua Käser schon früh eine Blessur zuzog und ausfiel.

Toreschiessen auf mehrere Schultern verteilt

In der Tat machte Muri über weite Strecken fast alles richtig. Schon früh zog man mit vier Toren Differenz davon. Dagmersellen kämpft sich aber bis zur Pause wieder auf 15:15 heran. Nach 40 Minuten waren die Freiämter wieder mit drei Längen voraus. Sie verpassten es aber den Vorsprung auszubauen. Danach war es bis zur erwähnten Schlussphase ein Duell auf Augenhöhe. Muri glänzte in dieser Partie mit starken Wurfquoten verschiedener Akteure. So warfen Linus Staubli (5 Tore), Jan Heusi (4), Jerome Zucker (6) und Dominik Lang (6) zusammen 21 Tore. Erstmals in der der noch jungen Saison wurde Femiano (8) diesbezüglich entlastet. Dass es trotzdem nicht reichte, hat laut Bruggmann einen anderen Grund: „Die 18 Tore, die wir in der zweiten Halbzeit erhalten haben, sind zu viel.“

Noch viel Arbeit

Die hauptsächlich nach der Pause phasenweise hektische Partie hat auch die Wahrnehmung bestätigt, dass es in dieser Gruppe keine schwachen Gegner gibt. Das bis anhin sieglose Dagmersellen agierte bei weitem nicht wie ein Aufsteiger. Im Gegenteil mit einer gehörigen Portion Cleverness bestätigte man die starken Vorstellungen der ersten beiden Partien bei den zwei Gruppenfavoriten Emmen und Altdorf. Muri bleibt die Erkenntnis, dass man nach dem bewusst verspäteten Trainingsbeginn zwar auf dem richtigen Weg ist, aber noch Arbeit wartet, bis man zu alter Stärke zurückfindet.

 

Telegramm:
Handball: 1. Liga, Gruppe 3: TV Dagmersellen-TV Muri 33:30 (15:15)

Chrüzmatt, 110 Zuschauer. – SR: Linus und Simon Hardegger
- Strafen: 3 mal 2 Minuten gegen Muri, 6 mal 2 Minuten gegen Dagmersellen.
Muri: Schleiss, Däpp; Femiano (8/1), Dani Lang, Dominik Lang (6), Zucker (6), Schwenkfelder, Frei, Jan Heusi (4), Staubli (5), Käser (1).
Dagmersellen: Schöpfer, Häller; Glur, Hodel (3), P. Tschupp (5), K. Tschupp (3), Peter, Häller, Sommer (8), Häfliger (2), Döös (1), Peyer (1), Theiler (2), Hofstetter (1), Renggli (7).
Bemerkungen: Siebenmeter: 1/2 für Muri, 5/5 für Dagmersellen. Muri ohne Wipf, Y. Kaufmann und T. Kaufmann.