Ein ersatzgeschwächter TV Muri war in Emmen auf verlorenem Posten. Dank einer Leistungssteigerung nach der Pause kam man um eine noch höhere Klatsche herum. Eine löchrige Abwehr und ein 17-Jähriger gaben zu reden.

(ws) Es sind verrückte Zahlen für eine Erstliga-Partie. 69 Tore fielen zwischen Handball Emmen und dem TV Muri. 40 davon gegen die Gäste. Zu viele, um zu gewinnen. Für einmal verloren die Freiämter ein Spiel in der Deckung. Dazu sagt Muris Co-Trainer Paul Stöckli, der wegen einer eingehandelten Spielsperre die Partie von der Tribüne aus verfolgen musste: „Wir fanden in der Abwehr von der ersten Minute an nicht ins Spiel, verteidigten zu flach, agierten zu passiv und zu wenig aggressiv. Dadurch haben wir Emmen stark gemacht.“ Mit den Abwesenden Personalien habe dies nichts zu tun. In der Verteidigung sei man in Vollbesetzung gewesen, ergänzte er.

Stärke wird zur Schwäche

Normalerweise ist die Abwehr das Prunkstück. Nicht so an diesem Novemberabend. Den Topskorer Mark Schelbert (elf Tore und zahlreiche Assists) bekam man nie unter Kontrolle. Er konnte schalten und walten wie er wollte. Dazu sagt Stöckli: „Das war nicht so geplant. Anstatt ihn aufzuhalten, haben wir ihm Freiräume gegeben. Auch die Manndeckung nach der Pause brachte nicht die gewünschte Wirkung.“ Im Tor stand ein sträflich allein gelassener Tobias Wipf, der glücklos agierte. Auf seine Vorderleute konnte er sich nicht verlassen. Der löchrige Verbund kam einer Einladung zum Toreschiessen gleich. Diese Fakten zählten vor allem für die ersten 20 Minuten. Muri lag zu diesem Zeitpunkt mit acht Toren hinten. Trainer Claude Bruggmann ordnete ein Time-Out an und schickte danach den angeschlagenen Jan Heusi ins Spiel. Und siehe da: Der Routinier brachte Stabilität in die Mannschaft. Um die Partie zu drehen, reichte es aber nicht.

Frei und Angehrn überzeugen

Nach der Pause, bei einem Acht-Tore-Rückstand, gelang den Murianern Schadensbegrenzung. Zuvor musste man um das Team von Claude Bruggmann Angst und Bange haben. Eine deftige Klatsche kündigte sich an. Doch Muri zeigte Charakter. Hinten änderte sich wenig. In der Offensive steigerte man sich. Dies hatte auch mit den Personalien Noel Angehrn und Fabian Frei zu tun. Beide Rückraumspieler schossen in den verbleibenden 30 Minuten zehn der 16 Tore. Eindrücklich die Statistik des Teamjüngsten Noel Angehrn. Seinen ersten und einzigen Fehlversuch hatte der 17-Jährige erst nach fünf Treffern. Fabian Frei auf der anderen Seite glänzte bei seinen fünf Einschüssen mit einer Quote von 71 Prozent. „Bei Noel Angehrn bin ich auf Grund seiner Trainings nicht überrascht. Bei uns kann er losgelöst von taktischen Fesseln seine Qualitäten als Shooter ausspielen. Fabian Frei bekam so viel Spielzeit wie noch nie in dieser Saison. Er zeigte erstmals eine Top Leistung“, sagt Stöckli.

Teamgeist ist intakt

Dass Muri beim Spitzenteam Emmen nie um den Sieg mitspielen konnte, war unter den gegebenen Umständen keine Überraschung. Wenn auf Topskorer Carlo Femiano und, bis zur 20. Minute, auf den an der Wurfhand stark lädierten Spielmacher Jan Heusi verzichtet werden muss, fehlt es an Qualität und Erfahrung. Wenn dann noch eine löchrige Abwehr hinzukommt, ist in dieser Liga nichts zu holen. Positiv zu beobachten war, dass die Mannschaft in dieser schwierigen Situation, mit zwei empfindlichen Niederlagen im Rücken, keine Zerfallserscheinungen zeigte. Im Gegenteil, der Teamgeist war zu spüren. „Dass die Mannschaft nicht abgehängt hat, spricht für ihre Moral“, so Stöckli.
Der Spielplan und die schwierige Gruppe wollen es so, dass den Klosterdörflern in den verbleibenden vier bedeutungslosen Qualifikationsspielen kaum Luft zum Atmen bleibt. Schon am kommenden Samstag wartet mit dem Leader Olten die nächste Herkulesaufgabe. „Es folgen starke Gegner. Ich sehe die Gefahr, dass wir uns in eine Negativspirale reissen lassen. Da müssen wir Gegensteuer geben. Dazu braucht es gute Trainings und Gespräche mit den Spielern“, so Stöckli.

Telegramm:
Handball: 1. Liga, Gruppe 3: Handball Emmen - TV Muri 40:29 (21:13)
Rossmoos, 200 Zuschauer. – SR: Philipp Walther und René Schmid
- Strafen: 7 mal 2 Minuten gegen Muri, 3 mal 2 Minuten gegen Emmen. 1x rot (3x2 Min.) gegen Schwenkfelder.
Muri: Wipf, Schleiss; R. Femiano, Dani Lang (2), Dominik Lang (3), Y. Kaufmann (3), Schwenkfelder, Anghern (5), Steffen, Jan Heusi (4), Staubli (2), Schöpfer (1), Frei (5), Zucker (4).
Emmen: Luthiger, Masic; Schelbert (11), Häberli (3), Brunner (1), Weingartner (1), Acha-Orbea, Rvalija (8), Bucher (8/3), L. Dürger, Augugliaro (1), F. Dürger (1), Kovacevic (6), Baumann.
Bemerkungen: Siebenmeter: 2/4 für Muri, 3/3 für Emmen. Muri ohne Femiano, T. Kaufmann, Burkart, Käser.