1920 H1 Team 1000x561Das 1.Liga Team des TV Muri behält in der Rückrunde unter Hochdruck seine weisse Weste. In einem nervenaufreibenden Spiel holen sich die Freiämter auch in der dritten Runde zwei Punkte.

(od) Zwanzig Sekunden vor Schluss zückt Trainer Bruggmann seine grüne Timeout-Karte und trommelt seine Mannschaft zusammen. Nachdem Muri den Grossteil der Begegnung immer ein-zwei Tore hinter dem Heimteam zurücklag, steht es kurz vor Spielende Unentschieden. Muri ist im Ballbesitz und hat noch einen letzten Angriff. Nach vier ruhigen Pässen spielen sie eine schnelle Auslösung über die linke Seite und mit drei Sekunden übriger Spielzeit kriegt Spielmacher Jan Heusi den Ball in die Finger, steigt und zieht ab. Mit dem Torpfiff kommt zeitgleich die Schlusssirene und dem gegnerischen Torwart bleibt nicht mal mehr Zeit den Ball aus dem Netz zu holen. Die Murianer Bank stürmt freudentaumelnd das Spielfeld, während die Spieler von Nyon etwas ungläubig ins Leere starren.

Kampf der Emotionen

Die Begegnungen von Nyon und Muri waren bis anhin immer emotional aufgeladen. Die Westschweizer waren von Anfang an darauf bedacht, mit geschickten Provokationen die Gäste aus der Ruhe zu bringen und damit einen konzentrierten Spielaufbau der Murianer zu verhindern. In der ersten Halbzeit funktionierte diese Strategie zum Leidwesen der Freiämter ganz passabel. So dauerte es nach Spielbeginn keine drei Minuten, bis die Murianer einen rasanten Anstieg an roten Köpfen verzeichneten. Dementsprechend war dann auch die Spielqualität gehemmt. Im Angriff war man sehr statisch unterwegs und hatte Mühe, Nyons Verteidigung zu brechen. Aber auch hinten war die Leistung nicht wunschgemäss und Stammtorwart Wipf kam ebenfalls nicht auf Touren. Immerhin konnte man hin und wieder durch gute Einzelaktionen etwas Vertrauen tanken. Gerade zum Schluss der ersten Halbzeit sorgten der inzwischen eingewechselte Torhüter Oliver Daepp mit seinem zweiten gehaltenen 7-Meter und Carlo Femiano mit dem Tor zum Halbzeitpfiff für eine positive Stimmung und nährten die Hoffnung für Besserung nach dem Seitenwechsel.
Die zweite Halbzeit sollte es also richten. Der Start war dann geradezu verheissungsvoll. Mit zwei Paraden von Daepp und einem Doppelschlag von Femiano und Tobias Kaufmann waren die Klosterdörfler nach eineinhalb Minuten wieder Gleichauf mit der Heimmannschaft. Danach fiel das Spiel jedoch wieder ins Muster der ersten Halbzeit zurück. Geprägt von vielen Unterbrechungen, angespannten Spielern, mangelndem Spielfluss und je einer Disqualifikation hielten sich die Mannschaften die Stange. Zuweilen mit leichten Vorteilen auf der Seite von Nyon, gegen Schluss aber sehr ausgeglichen. Nur dank viel Hartnäckigkeit, Geduld und Teamgeist konnte Muri zum Schluss noch einmal nach den zwei Punkten greifen. Jan Heusi meinte zu seinem entscheidenden Befreiungsschlag: «Kurz vor dem Wurf spürte ich, dass ich diesen Ball jetzt unbedingt will und ich wusste, dass ich das Ding machen werde». Er sollte recht behalten. Es war ein Sieg, der zuerst im Kopf gewonnen werden musste, und erfreulicherweise haben die Murianer genau das getan.

Zuhause gegen Bern

Nach dem dritten Auswärtsspiel in Serie steht am kommenden Samstag die erste Begegnung auf heimischem Boden an. Gegen den BSV Bern wollen die Freiämter den bisherigen Lauf in der Rückrunde fortsetzen. Da die Berner auf dem vorletzten Platz stehen werden die Murianer die Favoritenrolle übernehmen. Auf einen einfachen Sieg sollte man jedoch nicht hoffen. Schliesslich hat man auch gegen Schlusslicht Nyon nur mit Ach und Krach gewonnen. In der eigenen Halle und ohne eine dreistündige Anreise in den Beinen sind die Bedingungen jedoch etwas besser gelegen für Muri. Einen solchen Krimi wie gegen Nyon wollen sich sicher auch die Spieler und Trainer nicht mehr zwingend antun.

Handball, 1. Liga, Abstiegsrunde, Gruppe 4: HBC Nyon 1 – TV Muri 29:30 (15:13)
Nyon Cossy. - Zuschauer: 50 – SR: Fasquel Lucas, Frotin Basile. – Strafen: 5 mal 2 Minuten und 1 mal Rot gegen Nyon; 8 mal 2 Minuten und 1 mal Rot gegen Muri
Muri: Daepp, Wipf, Yorick Kaufmann, Heusi (4), Staubli (1), Frei (1), Dominik Lang (1), Käser (1), Tobias Kaufmann (5), Daniel Lang (1), Femiano (10), Zucker (6)
Nyon: Candolfi, Parville, Gros (2), Recchia (3), Heussi (9), Fässler (2), Rozier, Zahaf (3), Poret (6), Duckert (3), Kohler (1)
Bemerkungen: Muri ohne Schwenkfelder, Schleiss - Siebenmeter: Nyon 2/5; Muri 1/1.