Der TV Muri war beim ersten Rückrundenspiel in Kriens nicht mehr wiederzuerkennen. Neben einer hohen Fehlerquote gesellte sich auch eine Portion Pech dazu. Carlo Femiano trat zur zweiten Halbzeit nicht mehr an.

(ws) Tempo, Emotionen und eine gehörige Portion Härte in der Abwehr: Der TV Muri wird vom Tabellenschlusslicht HC Kriens quasi mit den eigenen Waffen geschlagen. Sinnbildlich dafür sind die ersten 20 Minuten. Die Murianer liegen zu diesem Zeitpunkt mit sechs Treffern hinten. Nach der 0:1-Führung durch Carlo Femiano wird den Gästen der Hahnen zugedreht. Die hochmotivierten Luzerner überrollen ihren Gegner. „Dass wir so überrannt werden, hat sich nicht angekündigt. Wir hätten aber gewarnt sein sollen. Schon gegen Altdorf, vor zwei Wochen, hat Kriens mit denselben Tugenden aufhorchen lassen“, sagt Co-Trainer Paul Stöckli. Kriens sei hart aber nicht unfair auf den Körper gegangen. Damit habe man nicht gerechnet und sich überraschen lassen, so Stöckli weiter.

Muri kann nicht reagieren

In der Tat hat Muri in diesem Zeitraum darauf keine Antwort. Kriens lässt die Schraube nicht locker und führt Muri vor. Den Aargauern gelingt es nicht, sich von der Umklammerung zu lösen. Der Rückraum ist praktisch inexistent und den, an der Grenze des erlaubten harten Attacken der Luzerner, ausgeliefert. In der Verteidigung wird der abwesende Jerome Zucker schmerzlich vermisst. Kommt dazu, dass sich die Klosterdörfler einigen umstrittenen Schiedsrichterentscheiden ausgeliefert sehen. So wird die überharte Attacke gegen Carlo Femiano, die später zum Ausscheiden des Topskorers führte, nur mit zwei Minuten statt einem möglichen Spielausschluss bestraft. Der angeschlagene Teamkapitän bemühte sich zwar noch bis zur Pause, konnte sein Leistungsvermögen aber verständlicherweise nicht mehr abrufen.

Starkes Schlusslicht

Zu diesem Zeitpunkt wäre aber noch alles möglich gewesen. Dazu hätte es eine deutliche Reaktion gebraucht. Die kam aber kaum. Muri hatte praktisch während der gesamten Spielzeit keine Antwort parat. Kämpfte man sich zwischenzeitlich wieder heran, brachte man sich mit technischen Fehlern und unpräzisen Würfen selber wieder um die Früchte der Arbeit. Es waren aber nicht nur die eigenen Schwächen, die Muri zum Verhängnis wurden. Den Kriensern muss zugestanden werden, dass sie nie wie ein Schlusslicht auftraten. Für sie sprach, dass sie ihr Spiel durchzogen und auf jedes Aufbäumen reagieren konnten –dies aber auch mit gütiger Mithilfe der fehlerhaften Gäste. Kaum ein Murianer kam auf Betriebstemperatur. Was gegen Wohlen vor zwei Wochen noch klappte, blieb diesmal Stückwerk.

Ein 17-Jähriger als Lichtblick

Eine Ausnahme bildete der 17-Jährige Noel Angehrn nach der Pause. Mit seinem unerschrockenen Auftritt hauchte er dem Angriff neues Leben ein. Das Eigengewächs glänzte aber nicht nur mit vier Toren. Anghern brachte auch Tempo und Überraschungsmomente in den Angriff. Da aber seinen Teamkollegen keine Steigerung gegenüber der ersten Halbzeit gelang, verpuffte sein starker Auftritt. Dass Muri nicht in eine hohe Niederlage lief, hat mit der Mentalität der Mannschaft zu tun. Am Willen lag es nämlich nicht. Muri liess wenig unversucht, um die Partie zu drehen. Dafür sprach auch, dass man nach der Pause nur noch elf Tore kassierte. Um in die Partie zurückzufinden, hätte es aber im Angriff eine Leistungssteigerung gebraucht. Diese liess aber auf sich warten. „Ich habe bis fünf Minuten vor Schluss an die Wende geglaubt. Denn die Mannschaft besitzt Moral. Wir haben es aber selber aus den Händen gegeben. Heute ist einfach zu viel zusammen gekommen“, so Stöckli. Damit meinte er wohl die Abwesenheit von Zucker und das Ausscheiden von Femiano. Dass man von den Schiedsrichtern zumindest nicht bevorteilt wurde, spielte auch nicht in die eigenen Karten.

Telegramm:

Handball: 1. Liga, Gruppe 3: HC Kriens - TV Muri 28:23 (17:11)
Meiersmatt, 30 Zuschauer. – SR: Patrick Diethelm und Patrick Morf.
- Strafen: 5 mal 2 Minuten gegen Muri, 6 mal 2 Minuten gegen Kriens.
Muri: Wipf, Daepp; Femiano (4/2), Dani Lang (2), Dominik Lang (1), Y. Kaufmann (4), Schwenkfelder, Angehrn (4), Burkart, Jan Heusi (6), Staubli (2), Schöpfer.
Kriens: Rast, Iten; Schnetzler (2), Weingartner (3), Bühler (8/6), Wyss (1), Heller (4), Felber (1), Baumann (2), Stadelmann (1), Boumeester, Studer(5), Korac, Knabl (1).
Bemerkungen: Siebenmeter: 2/4 für Muri, 7/8 für Kriens. Muri ohne Zucker, T. Kaufmann, Frei, Käser.