Dem TV Muri bekommt die Leaderposition schlecht. Die Freiämter geraten gegen den KTV Muotathal unter die Räder. Als das Heimteam endlich Fahrt aufnimmt, ist es zu spät. Bei den Gästen überragt ein 20-Jähriger als 15-facher Torschütze.

Lamentieren statt sich auf die eigenen Stärken besinnen. Einstecken statt austeilen. Als Folge dieses Verhaltens waren es die Gastgeber, die sich in dieser temporeichen Partie vor 200 Zuschauern mit blauen Flecken in die Pause verabschiedeten. Schmerzhafter als die Spuren einer gesunden Härte eines hoch motivierten Gegners war aber der Blick auf die Anzeigetafel. Noch ehe ein Drittel der Partie gespielt war, lag Muri mit acht Treffern hinten. Zur Pause waren es bereits zehn Tore. Wie war das möglich. Dazu sagt Muri-Trainer Claude Bruggmann: „Ich habe vergebens gehofft, dass dieses Ereignis nicht eintrifft. Die Gefahr bestand, da es in den vergangenen Partien praktisch von alleine lief, dass jeder nur noch 95 Prozent gibt. Das reicht einfach nicht.

Von wegen starke Abwehr. Die zuvor hochgelobte Defensive wurde von Muotathals Topskorer, dem 20-Jährigen Janik Nauer, praktisch im Alleingang ausgehebelt. Der Jungspund konnte schalten und walten wie er wollte. Elf Tore bei elf Versuchen standen ihm bis zur Pause zu Buche. Nahm dieser einmal Tempo auf, blieb den Murianer Verteidigern, inklusive Torhüter, bis auf eine Ausnahme nur noch die Statistenrolle. Erst in der zweiten Halbzeit, als Muri auf eine offensive Verteidigung umschaltete, wurde seine Wirkung kleiner. Nichtsdestotrotz erzielte er weitere vier Tore.

Muri wird überrollt

Das Hauptübel war aber, dass sich die Einheimischen vom Tempo der Gäste regelrecht überrollen liessen und kaum entgegenhielten. Anders die Schwyzer. „Der Gegner war bereit und fightete mit dem Messer zwischen den Zähnen“, sagt Bruggmann. An guten Tagen sind es die Murianer die dem Gegner mit einer rauen Gangart den Schneid abkaufen. Nicht so in dieser Partie. Die Murianer agierten unerklärlich lethargisch. Auch im Angriff. Vom gewohnten Tempo-Spiel war erst etwas zu sehen, als der Zug abgefahren war. Dieser Aspekt ist das einzig Positive am Auftritts des Tabellenführers. Die Mannschaft von Claude Bruggmann liess sich nämlich nicht kampflos abschlachten. Angetrieben von Spielmacher Yorick Kaufmann, Carlo Femiano und Jerome Zucker versuchte man nach dem Wechsel das Unmögliche noch möglich zu machen. Bis auf fünf Tore kam man tatsächlich noch einmal heran. Danach lief den Murianern die Zeit davon. Nun war man gezwungen, schnelle Abschlüsse zu nehmen. Was wenig überraschend zur Folge hatte, dass sich die Fehlerquote erhöhte. Die bis anhin sattelfesten Gäste kamen dadurch zu mehreren sogenannten einfachen Toren. Dass Muri die zweite Hälfte mit 17:14 gewann, ist ein kleiner Trost. Ist aber ein Hoffnungsschimmer, dass diese Partie ein negativer Ausreisser und sogleich ein Weckruf war.

Die Geschichte widerholte sich

Zu erinnern ist auch, dass Muri scheinbar die Lehren aus der letzten Partie vor dem Corona-Abbruch im Februar nicht gezogen hat. Auch damals traf man in der Abstiegsrunde nach vier Siegen als Tabellenführer auf die Schwyzer und wurde dominiert. Einzig das Schlussresultat fiel mit 21:24 weniger deutlich aus. „Das war eine ähnliche Situation. Wir hatten einen Lauf und hätten den Sack zu machen können. Gegen einen Gegner mit einer solchen Spielart reichen 99 Prozent einfach nicht“, sagt Bruggmann. Auf dieses Ereignis zu reagieren, war damals durch die gegebenen Umstände durch Corona nicht mehr möglich. Anders präsentiert sich die aktuelle Situation. Am kommenden Samstag bekommen die Klosterdörfler in Altdorf bei einem echten Spitzenkampf die Möglichkeit, sich von einer anderen Seite zu präsentieren. 

Telegramm:

Handball: 1. Liga, Gruppe 3: TV Muri - KTV Muotathal 25:32 (8:18)
Bachmatten. – 200 Zuschauer. – SR: Bienz / Stolley.
Muri: Schleiss, Wipf; Dani Lang (2), Dominik Lang (1), Schwenkfelder, Angehrn (3), Kaufmann (6), Käser, Femiano (6/3), Heusi (2), Staubli (1), Pantic, Zucker (4).
Muotathal: Öchslin, R. Betschart; Schelbert (1), Nauer (15/1), I. Betschart, Gwerder (6), Henseler (1), K. Heinzer (1), Roos, N. Heinzer, Kurti (5), M. Betschart (2), Suter (1), Lüond.
Bemerkungen: Strafen: 3-mal 2 Minuten, 1-mal Spielausschluss für Muri, 4-mal 2 Minuten für Muotathal. Siebenmeter: 1/2 für Muri, 2/3 für Muotathal.